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Das Rannische Tor der ehemaligen Stadtmauer von Halle

Die hallische Stadtbefestigung hatte sechs Stadttore. Diese wurden alle abgerissen. Nur der Leipziger Turm ist als Teil des Galgtores noch vorhanden.

Das Rannische Tor befand sich am Übergang von Altstadt zu Glaucha an den Franckeschen Stiftungen. 

Beschreibung des Rannischen Tors

Erschienen in Band 11 - Sachsen und Anhalt : Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 1935, Seite 42-44

Die Wehrbauten der Stadt Halle.

II. Teil.

Von Erich Neuß

VI. Tore und Pforten.
2. Das Rannische Tor

Dieses Tor ist zeitweise ein Stiefkind unter den hallischen Wehrbauten gewesen, obwohl es nach seinem teilweisen Einsturz im Jahr 1461 ungleich zweckmäßiger wiedererrichtet worden ist. In ihm wandte man nicht das System der Ulrichs-, Stein- und Galgentorburgen mit ihren hintereinanderliegenden Torhäusern an, sondern schuf in ihm einen völlig selbständigen und geräumigen Verteidigungsabschnitt nach dem Vorbilde oder der Art der Naumburger Stadttore, von denen allerdings das 1456 erbaute, heute noch erhaltene Marientor weder das größte noch das stärkste war. Das Rannische (Ranstädter) oder Rodewellische (Radewellische) Tor bildete einen birnenförmig geformten Zwinger, dessen schmalste Seite sich auf dem inneren Rannischen Torturm stützte, während der Ausgang nach dem Steinweg schräg zur Achse des inneren Tores etwa in der Richtung auf den heutigen Eingang der Franckeschen Stiftungen führte, so daß man sich nach Überschreiten des die gesamten Anlage umgebenden sehr tiefen Graben erst wieder etliche 30 Schritte nach Westen wenden mußte, um in den Steinweg zu gelangen. Die größte Breite der Torburg betrug 75'. Das Rannische Tor war indessen trotz seines zweckmäßigen Grundrisses ein wenig festes Tor. Merians Stich zeigt deutlich den inneren Torturm als Fachwerkgebäude, dessen Durchfahrt lediglich massiv erbaut war. Das bemängelte schon Querhammer 68): „ist doch itzundt garnichts gut dran, das tzur were dienete“; und da wir nach den späteren Befunden annehmen dürfen, dass der Oberbau des inneren Rannischen Torturmes aus Fachwerk mit Lehm (gecleybe) bestand, so wird für ihn auch das gelten, was Querhammer von den Wehrgängen auf den Mauern dieser Torburg sagte: man konnte mit den Hakenbüchsen durchschießen. Die hölzernen Gänge, wie sie übrigens auch im Galg- und Moritztor sich fanden, waren für die Verteidiger wertlos, zu große Schießlöcher nach außen, ohne Schutz nach innen, unbequeme Aufstiege von der Stadt her. Das „äußerste thor vnd das haus dorneben“ wiesen ähnliche Fehler auf; die Schießlöcher waren so unglücklich gerichtet, daß man den Angreifer unmittelbar vorm Tor nicht mehr erreichte. Im Rannischen Tore war ein mit Mauern eingefaßter Berg für große Büchsen geschüttet. Dieser Berg ist auf dem Kost-Bretschneiderschen Plane deutlich sichtbar. Querhammer nennt den Berg gut; Es könnte aber die Einfassungsmauer höher und damit der Berg verteidigungsfähiger sein, um darauf den Feinde „großen dampf und schaden thun“. Unmittelbar neben dem Rannischen Tore befand sich an der Zwingermauer eine halbrunde Bastei - „im rannischen thor do auch ein pastei uf der ecken kegen dem steinwege, do man auch vom gange hinab kommt 69)“ - eine ähnliche Anlage wie wir sie am Galgtor fanden.

Die Abtragung des Rannischen Tores wurde erstmalig 1816 erörtert; 1818 war sein baulicher Zustand in jeder Hinsicht unhaltbar geworden, so daß die Regierung die Niederlegung am 6. Mai genehmigte; die Wohnungen im inneren Torturm konnten nur noch als Mörderhöhlen bezeichnet

Das Rannische Tor der Stadtmauer von Halle um 1590.

werden 70). Der tiefe, sogen. Pommersche Graben, der diese Torburg nach dem Steinweg zu umgab, mußte, da man von vornherein die Schaffung eines freien Platzes zwischen Tor und Stiftungen ins Auge faßte, zugefüllt werden 71); sehr gegen den Willen eines Pächters, der auch hier seinen gärtnerischen Neigungen nachging. Der Stadtbauinspektor Dietlein empfahl den Abbruch des „uralten durch die Zeit in allem höchst desolat gewordenen Turmgebäudes". Die umfangreichen Akten darüber ermöglichen, sich ein annähernd richtiges Bild vom Aussehen dieses merkwürdigen Tores zu machen. Es lag nicht in der inneren Stadtmauer, sondern in der Zwingermauer, eine Folge des Neubaus von 1462. Über dem massiven Sockelgeschoß (etwa 8×8 m) erhob sich ein Fachwerkaufbau von drei Geschossen, dessen dem äußeren Rannischen Tor zugekehrte Gewände 3 1/2 - 2 1/4' stark waren. Die Höhe dieses Aufbaus betrug 23'. Einschließlich des ziegelgedeckten Satteldaches mag die Gesamthöhe des inneren Rannischen Tores 22 m gewesen sein.

Über das äußere Torhaus, das 1564 zuletzt erneuert wurde, fehlen nähere Angaben. Es war nach Grundrissen zu urteilen ein festes, wehrhaftes Gebäude, ähnlich dem äußeren Ulrichstor; jedoch hatte es einen turm- oder basteiartigen Ausbau zur Rechten der 1507 erbauten Brücke (mit zwei massiven Mittelpfeilern), die über den äußeren (tiefen) Graben führte; dieser Ausbau bestrich die Brücke und den Eingang des äußeren Tores. Beide Tore waren durch 3,6' starke Zwingermauern miteinander verbunden, die einen ansehnlichen Torhof einschlossen. In diesem Hof lag die Wohnung des Torschreibers (HStA. XV D 2) 72).

68) A. a. O. fol. 11a.
69) A. a. O. fol. 23a.
70) XV D 21. 1711 wohnten in diesem Turm der Armenvoigt und ein alter „abgelebter" Stundenrufer.
71) HStA. VIa G 8 u. XV D 27.
72) Vgl. auch Schultze-Galléra, Topographie I, 43. Runde 36f.

Quellen und Literatur

  • Sachsen und Anhalt: Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, 11.1935 - Link

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* 1977, † 2023

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