Das Ulrichstor der ehemaligen Stadtmauer von Halle

Die hallische Stadtbefestigung hatte sechs Stadttore. Diese wurden alle abgerissen. Nur der Leipziger Turm ist als Teil des Galgtores noch vorhanden.

Das Ulrichstor befand sich am Übergang von Altstadt nach Neumarkt am nördlichen Ende der Großen Ulrichstraße.

Beschreibung des Ulrichtors

Erschienen in Band 11 - Sachsen und Anhalt : Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 1935, Seite 36-38

Die Wehrbauten der Stadt Halle.

II. Teil.

Von Erich Neuß

VI. Tore und Pforten.
1. Das Ulrichstor.

An das Ulrichstor knüpft sich eines der wichtigsten Geschehnisse in der Geschichte der Stadt Halle - seine Einnahme durch Erzbischof Ernst Montag Mauricii (20. Sept.) 1478, 6 Uhr vormittags. Nicht umsonst: das Ulrichstor galt stets als das schwächste und am schwersten zu verteidigende Tor. Deshalb ist viel an ihm gebaut und von 1478 bis in das 18. Jahrhundert (Corp. bon. von 1711, Nr. 85) um das Besitzrecht an ihm zwischen der Stadt und dem erzbischöflichen Landesherrn viel gestritten worden. Über seine Zumauerung 1435 wurde schon berichtet. Im Jahre 1461 erhielt es seine endgültige Gestalt bis auf die erst 1537 errichtete Streichwehr im Innern des Tores (s. u.), die offenbar im Einvernehmen mit Erzbischof Albrecht angelegt wurde. Der Erzbischof klagte 1541 beim Kaiser, der Rat habe im Tore Schießscharten gegen die Moritzburg anbringen lassen. Diese Scharten werden aber wohl eher der Bestreichung des westlich anstoßenden Grabens gedient haben. 1547 wird der Stadt der Besitz des Tores bestätigt, aber am 15. September 1548 muß sie den Schlüssel des Tores dem Erzbischof Johann Albrecht zurückgeben. Dieser Streit wird 1599 beigelegt: der Torwärter des Erzbischofes schloß das Tor, aber der Rat durfte die Torburg unbehindert besetzen, auch hatte der Torwärter keinen Zutritt zu den Geschützen der Stadt. Ende des 17. Jahrhunderts erhielten die Reformierten das Recht, das Ulrichstor in Abwesenheit der Wachen zu besetzen; die übrigen Tore mußten die andern Bürger besetzen60).

Caspar Merians Nord- und Ostansichten der Stadt Halle zeigen den überaus stattlichen Ulrichstorturm mit seiner welschen Haube, Rundgiebeln auf allen vier Simsen und je einer Geschützpforte im zweiten Stock nach Osten, Norden und Westen. Maße des Ulrichstorturms: Gesamthöhe 98 hall. Fuß (0,313 m), bis zum Dachsims 75', Grundfläche 30 X 30', Höhe des Torbogens 18', Breite 15'. Der Turm konnte mittels einer

Das Ulrichstor der Stadtmauer von Halle um 1590.

an die Stadtmauer angebauten, 20 Fuß hohen steinernen Treppe erstiegen werden. Das äußere Ulrichstor war ein mäßig hohes, rechteckiges Haus, dessen Durchfahrt in das erste Obergeschoß reichte.

Im zweiten Obergeschoß durchbrachen vier Schießlöcher die starke Mauer nach dem Neumarkt zu. Die Rückwand dieses Torhauses war offen, später mit Fachwerk versetzt oder einfach verschalt61). Länge 25 Ellen, Breite 6 Ellen. Satteldach mit Ziegeln gedeckt. Zuletzt war auch in diesem Torhaus eine Wohnung eingerichtet (1816 der Trödler Sachse). Im Sommer 1823 wurde es meistbietend versteigert und im September 1823 abgebrochen.

Unzweifelhaft die merkwürdigste Anlage des Ulrichstores bildete der eigentümliche Flankierungsturm (Streichwehr) an der westlichen Zwinger-und Grabenmauer des Tores (,,im Lichten 10 Ellen lang, 7 Ellen weit"). Nur von dem Mauergang aus betretbar, konnte aus den Verteidigungsstockwerken der Raum zwischen dem äußeren Tor und dieser Anlage bestrichen werden. Die nach dem inneren Ulrichsturm zugekehrte Seite des auf dem Grundriß des Viertelkreises errichteten Bauwerks war aus naheliegenden Gründen offen bzw. verschalt. Es wurde 1823 niedergelegt.

In Verbindung mit dem Abbruch des äußeren Ulrichstores durch Maurermeister Deybold wurde übrigens die östliche Zwingermauer der Torburg niedergelegt; dadurch vergrößerte man den Platz vorm inneren Ulrichstor. Gleichzeitig erhielten Graben und Zwinger einen neuen Abschluß, der dann einige Jahre später bei der Eröffnung der „alten" Promenade verschwand62). Statt des „engen, krummen und schmutzigen Straßenzuges im Ulrichstor ist ein geräumiger freundlicher Platz gewonnen, wodurch das Ulrichstor erweitert und verschönert ist".

Schon 1791 wurde der Plan gefaßt, den inneren Ulrichstorturm wegen Baufälligkeit des Oberbaus bis auf die Durchfahrt abzutragen und dafür einen hausähnlichen Aufbau von zwei Stockwerken mit Pfälzer Doppeldach zu errichten63). Der Plan des Maurermeisters Haack wurde ausgeführt, allein schon 1794 mußte das Dach erneuert werden, da man zur Aufmauerung der „Frontons" völlig zerfressene Steine aus abgerissenen Salzkothen verwendet hatte. Am 9. Oktober 1827 faßte der Magistrat den Beschluß inzwischen war der Platz vor dem Ulrichstor verschönert worden (s. o.), das „unbedeutende Torgebäude am inneren Ulrichsthor zum Besten der Stadtkasse und zur Verschönerung der Stadt meistbietend zu verkaufen bzw. zum Abbruch zu bringen". 1828 fiel das Ulrichstor"64).


60) Schultze-Galléra, Topographie I, 133f.
61) HStA. VIa F 12.
62) HStA. XV L 9.
63) HStA. VIa C 6.
64) Vgl. auch Neuß, Spätmittelalterl. Befestigungen d. Stadt Halle (i. Heimatkal. Halle 1929 S. 34 f.).

Quellen und Literatur

  • Sachsen und Anhalt : Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, 11.1935 - Link

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Weiterführende Seiten:

Die Große Ulrichstraße ist eine Straße der Altstadt von Halle an der Saale.

Die Stadtbefestigung von Halle an der Saale.

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* 1977, † 2023

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