Das Galgtor der ehemaligen Stadtmauer von Halle
Die hallische Stadtbefestigung hatte sechs Stadttore. Diese wurden alle abgerissen. Nur der Leipziger Turm ist als Teil des Galgtores noch vorhanden.
Das Galgtor befand sich am Übergang von Altstadt zur Vorstadt an der Ecke der späteren Leipziger Straße und dem Hansering. Der Name leitet sich vom Galgen ab, welcher auf dem späteren Riebeckplatz stand.
Beschreibung des Galgtors
Erschienen in Band 11 - Sachsen und Anhalt : Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 1935, Seite 40-41
Die Wehrbauten der Stadt Halle.
II. Teil.
Von Erich Neuß
VI. Tore und Pforten.
2. Das Galgtor.
Das Galgtor, 1266 zum ersten Mal erwähnt, hat während seines Bestehens viele Veränderungen und Verbesserungen erfahren. Im 16. Jahrhundert galt es als ebenso engräumiger wie schwer zu verteidigender Wehrbau, in dem vor allem das mittlere Tor die volle Entfaltung der Feuerkraft der Verteidiger behinderte. Es waren seit dem letzten Umbau von 1573 eigentlich drei etwas krummlinig hintereinanderliegende Torhäuser von ziemlich gleicher Gestalt. Die des inneren Tores ist uns genau überliefert. Über einer annähernd quadratischen, massiv gebauten und gewölbten Durchfahrt (Stärke der Seitenmauer 6'), deren äußerer Bogen mit 17' Höhe und 13' Breite enger war als der innere (22 ¹/2 u. 16') erhob sich ein ebensolcher kreuzgewölbter Überbau von 2' Mauerstärke, darüber ein Kreuzdach mit Giebelfeldern (Frontons) nach allen vier Seiten. Die Gesamthöhe des inneren Tores (und wohl auch der beiden äußeren) betrug 50'. Der Dachbau war zweigeschossig; das untere Geschoß diente als Verteidigungsraum, später als Wohnung; von ihm gelangte man auf den Wehrgang der rechts anstoßenden Stadtmauer, die zugleich den Torhof bestrichen. Zur Linken übernahm im 16. Jahrhundert eine niedrige, aber feste halbrunde Bastei diese Aufgabe. Sie hatte eine Mauerlänge von 102', war 15' hoch, die Brustwehr 2 1/2' stark (HStA. XV D 34). Nicht in unmittelbarem taktischen Zusamenhang mit dem Galgtor stand der hohen runde Turm, dem als Wachturm die Aufgabe der Beobachtung des nach dem heutigen Riebeckplatz stark ansteigenden Geländes zustand - der heutige Leipziger Turm. Er stammt, nach seinem Äußeren zu urteilen, aus der Zeit um 1460. Schultze-Galléra (Topographie I, 72f.) und Schönermark (Bau- u. Kunstdenkmäler Halle, S. 331/34) haben ihn ausführlich beschrieben. Mauerstärke über dem Straßenpflaster 2,80 m; lichte Weite 3,30 m. 1478 wurde der Turm als Gefängnis benutzt. Er ist nicht der „Kramerturm" Spitendorfs. Den vielfachen Versuch, ihn aus Verkehrsgründen abzubrechen oder zu durchtunneln, hat das schöne Bauwerk bis jetzt widerstanden. Auf dem vordersten Galgtor wohnte der Stadtknecht des Ulrichsviertels, während das mittelste zwei Wohnungen enthielt; die eine stand dem Rate zu, in der anderen wohnte der Akzisetorschreiber. Ein drittes „Logament“ im oder am mittelsten Tore bewohnte der Rüstmeister oder Zieler der Bürgerschützen. Hierzu kam noch das Wachhaus von 1707 am Eingang des Schießgrabens. (Nr. 19-22 d. Corpus bonorum von 1711
[HStA. III K 6].) Auf dem innersten Galgtor schließlich wohnte der Leim(Lehm)Hacker. Der Abbruch des Galgtores begann am 19. April 1819 67). Der Überbau musste sogar mit Pulver gesprengt werden, so fest erwies sich das Gemäuer. Am 1. Juli 1819 war das Zerstörungswerk beendet. Zugleich fiel die oben erwähnte Bastei zur Linken des Tores (auf dem Böttchermeister Hoehneschen Grundstück) und das flankierende Stadtmauerstück bis zur Ecke des Hauses „zum goldenen Arm“ in einer Länge von 53′, 18′ Höhe und 3′ durchschnittlicher Stärke – wohl der von Querhammer erwähnte „Schlauch“.
67). XV D 30, 34. --Rundesche Chronik (Hrsg. Weißenborn) S. 36 ff
Quellen und Literatur
- Sachsen und Anhalt: Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, 11.1935 - Link
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Diese Seite wurde am 29.09.2026 erstellt und am 29.09.2026 zuletzt bearbeitet.
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